Vor einer Weile habe ich mir auf YouTube einen 45-minütigen Vortrag angesehen, der wirklich hilfreich war. Ein paar Wochen später wollte ich einem Freund davon erzählen – und mir fiel kein einziger Punkt mehr ein. Ich hatte das ganze Video gesehen und fast nichts behalten.
Videos sind am leichtesten zu konsumieren – und am schwersten zu behalten.
Ich glaube nicht, dass das an mangelnder Disziplin liegt, sondern am Format. Zuschauen ist bequem: Das Video läuft weiter, auch wenn die Aufmerksamkeit abschweift, und niemand stellt dir je eine Frage. Ohne diese Fragen vergisst du. Die Wissenschaft dahinter habe ich in Spaced Repetition: How to Make Your Readings Stick in Long-Term Memory beschrieben (auf Englisch), deshalb halte ich mich hier kurz.
So mache ich es heute: Hinter jedem YouTube-Video steckt ein Transkript – Text, den du lesen, markieren und zum Lernen nutzen kannst. Mit meiner kostenlosen Browser-Erweiterung Web Highlights öffne ich das Video als Text, markiere das Wichtige und erstelle daraus mit KI Karteikarten.
Wenn du lieber ein Video schaust, hier ist das komplette Tutorial (auf Englisch):
Was ist Web Highlights?
Web Highlights ist eine kostenlose Browser-Erweiterung, die Hunderttausende Menschen nutzen.
Ich habe sie gebaut, damit du alles markieren kannst, was du im Browser liest – Webseiten, PDFs und YouTube-Transkripte – und alles in einer Bibliothek behältst, mit Notizen und Karteikarten direkt an der Textstelle, aus der sie stammen.
Wie erstelle ich Karteikarten aus einem YouTube-Video?
Ist die Erweiterung installiert, öffnest du das Video im Lesemodus von Web Highlights und siehst den Player mit dem Transkript daneben.
Wenn du die Erweiterung nicht installieren möchtest, kannst du auch unseren kostenlosen YouTube-Highlighter oder den kostenlosen YouTube-Karteikarten-Generator nutzen. Dort fügst du einfach eine YouTube-URL ein und legst los.
Aus dem Video wird ein markierbarer Artikel, den du gleichzeitig ansehen und markieren kannst. Natürlich kannst du das Transkript auch nur überfliegen.
Von dort führen zwei einfache Wege zu Karteikarten:
1. Eine einzelne Markierung im Transkript zur Karteikarte machen
Wenn es dir um einen bestimmten Moment im Vortrag geht, markiere den Satz im Transkript, such ihn in der Sidebar und klick auf das Gehirn-Symbol.
Der Karteikarten-Editor öffnet sich mit dem Zitat als Antwort. Schreib die Frage selbst oder klick auf ✨ Mit KI generieren – dann entwirft die KI sie direkt auf deinem Gerät.
Die Markierung steht auf der Rückseite der Karte – so weißt du immer, aus welchem Video sie stammt.
2. Aus dem ganzen Video ein Karteikarten-Set erstellen
Hat der Vortrag mehrere Punkte, die du behalten willst, öffne das gespeicherte Video und wähle in den Schnellaktionen „✨ Karteikarten generieren“. Der KI-Karteikarten-Generator entwirft aus deinen Markierungen und dem Transkript Karten mit Frage und Antwort. Mit einem Schieberegler legst du die Anzahl fest (1 bis 20). Jede Karte ist zunächst ausgewählt; du kannst jede Frage bearbeiten, Füllmaterial abwählen oder ein neues Set generieren lassen.
Deine Markierungen gehen hinein, Fragen kommen heraus – vor dem Speichern kannst du alles bearbeiten.
Ein Klick auf „Karteikarten erstellen“, und das Set liegt in deiner Bibliothek. Der Vortrag, den du im März gesehen hast, stellt dir im April Fragen.
Ohne Installation? Einfach den Link einfügen
Wenn du erst das Ergebnis sehen willst, bevor du etwas installierst: Ich habe einen kostenlosen YouTube-Karteikarten-Generator gebaut. Füge einen Videolink ein, das Transkript öffnet sich im Lesemodus, und derselbe Generator erstellt ein Set – ohne Konto. Er arbeitet mit dem ganzen Transkript statt mit deinen Markierungen. Wie du gleich siehst, ist genau das bei einem langen Video der entscheidende Unterschied.
Wiederholen, bis es sitzt
Jetzt beginnt das Wiederholen. Jeden Tag bekommst du eine Sitzung mit zehn Karten – zwei, drei Minuten. Jede Karte zeigt ihre Frage; du antwortest im Kopf, deckst auf und bewertest dich selbst mit „Richtig“ oder „Falsch“.
Eine Variante des SuperMemo-Algorithmus – derselben Familie, mit der Anki bekannt wurde – schiebt, was du kannst, weiter nach hinten und holt zurück, was du noch nicht kannst. Im Lern-Dashboard siehst du, wie deine Karten von „Wird bald vergessen“ in Richtung „Langzeitgedächtnis“ wandern. Wie das unter der Haube funktioniert, erklärt unsere Dokumentation zum verteilten Wiederholen .
Gut zu wissen
- Das Video braucht Untertitel. Ohne Untertitel kein Transkript, ohne Transkript keine Karten – du bekommst dann nur den Player und nichts zum Lernen. Bei den meisten Vorträgen, Vorlesungen und Tutorials klappt es, bei manchen nicht.
- Kostenlos sind ein Video und ein Set pro Tag. Transkripte abzurufen kostet mich tatsächlich Geld, deshalb ist das kostenlose Limit klein – dafür sage ich es offen. Praktischerweise ist ein Video mit einem Set ungefähr das, was eine Lerneinheit sein sollte. Der Ultimate-Plan hebt beide Limits auf.
- Für die Kartenerstellung brauchst du Chrome 138+ oder ein aktuelles Microsoft Edge auf dem Desktop. Beim ersten Mal wird das KI-Modell auf dein Gerät geladen (einige Gigabyte; Chrome verlangt vorher rund 22 GB freien Speicherplatz). Edge hat sein Modell nur unter Windows und macOS, und auf Smartphones gibt es noch keine KI auf dem Gerät. Markieren und Wiederholen funktionieren in jedem Browser – und weil das Modell auf deinem Gerät läuft, wird das Transkript nie an eine Cloud-KI geschickt, um deine Karten zu schreiben.
Fazit
Wenn dir ein Video das nächste Mal 45 Minuten wert ist, gib ihm zwei Minuten mehr. Installiere Web Highlights kostenlos, markiere die drei Dinge, die du auf keinen Fall verlieren willst, und mach daraus Karteikarten. Oder probier es ganz ohne Installation: Füge einen Link in den kostenlosen Generator ein und lass dich von den Fragen an einen Vortrag erinnern, den du sonst vergessen hättest.
Ich hoffe, der Artikel hat dir gefallen. Ich beantworte gern Fragen und freue mich auch über Kritik. Schreib mir auf LinkedIn oder folge mir auf Twitter.
Häufige Fragen
Kann ich aus jedem YouTube-Video Karteikarten erstellen?
Aus jedem Video mit Untertiteln – also aus den meisten. Ein normaler Videolink, ein youtu.be-Kurzlink oder ein Shorts-Link funktionieren. Private und altersbeschränkte Videos sowie alles ohne Untertitel liefern kein Transkript – und ohne Transkript gibt es keine Karten.
Ist das wirklich kostenlos?
Ja, mit Limits, die ich lieber offen nenne als verstecke: ein Video und ein Set pro Tag, ohne Konto. Registriere dich kostenlos, wenn du deine Sets behalten willst; die Synchronisierung zwischen Geräten ist in den ersten 7 Tagen kostenlos.
Werden meine Videodaten irgendwohin hochgeladen?
Die Karten schreibt die integrierte KI des Browsers (Gemini Nano in Chrome, Phi-4-mini in Edge) auf deinem eigenen Rechner. Das Transkript wird also nicht an ein Cloud-Modell geschickt, um daraus Karteikarten zu machen. Darüber verlieren die meisten dieser Tools kein Wort.


